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Aktuelles & Ergebnisse

September 2014 – Plus und Minus

Wenn ich vom Turnier nach Hause fahre, dann nehme ich meistens ein Gefühl mit. Entweder bin ich zufrieden oder eben nicht. Aber als ich mich aus Langenhagen auf den Heimweg machte, wusste ich nicht so recht, was ich von Pauls CIC* halten sollte. Auf der Minus-Seite steht ganz eindeutig sein schlechtestes Dressurergebnis mit 46,6 Strafpunkten. Hinzu kommen wieder einmal ein Springen mit einem Abwurf und eine Verweigerung im Gelände. Gesamt betrachtet machte das Rang 38 mit 70,6 Miesen. Eindeutig ein Ergebnis, das hinter den Möglichkeiten meines Youngsters ist. Immerhin wäre Platz sieben machbar gewesen. Während der dreistündigen Fahrt nach Düsseldorf, hatte ich jedoch genügend Zeit auch Punkte für die Plus-Seite unserer Vorstellung herauszuarbeiten. Für die Dressur schlägt zu Buche, dass Paul die Aufgabe zum ersten Mal unter Prüfungsbedingungen gelaufen ist und ihm nicht wirklich ein Fehler passierte. Er lief auf dem Rasenviereck einfach mit etwas angezogener Handbremse. Auch das kann ich ihm verzeihen. Lassen sich doch seine Auftritte in der Dressur auf Gras an zwei Fingern abzählen. Außerdem erinnerte ich mich an Carls Aufgaben, die im Schritt schon mal unter seinem schwachen Nervenkostüm litten. Da war ich glücklich mit einer 46er Runde aus dem Viereck zu kommen. Genauso wie in der Dressur, fand ich gute Aspekte für Pauls Springen. Hindernis zwei hätte er zwar wirklich nicht abwerfen müssen. War doch das so ungefähr der einzige Sprung, welchen ich ziemlich optimal traf. Das sich im gegenüberliegenden Zelt ein Mensch bewegte und damit Pauls Aufmerksamkeit auf sich zog, zähle ich einfach noch zur Rubrik „Erfahrung sammeln“. Natürlich ärgern mich die vier zusätzlichen Strafpunkte. Zumal mein junger Wallach kein Problem mit den Abmessungen hat. Um aber zurück zur positiven Seite meiner imaginären Liste zu kommen: Paul konnte sich trotz des Abwurfs zwei Plätze nach vorne arbeiten. Dementsprechend schwierig muss der Parcours gewesen sein. Im Gelände hatte ich vom ersten Baumstamm an ein super Gefühl. Zudem waren Sprung eins bis drei identisch mit den ersten Hindernissen aus dem CIC**. Ich konnte Paul ganz locker unter mir galoppieren lassen und muss ihn nur selten auffordern seinen Rhythmus zu halten. Ob hoch, ob weit, ob tief oder schräg – das sechsjährige Greenhorn packt einfach alles an. Umso ärgerlicher, dass er sich vom freien Feld in den Wald springend von ein paar Zuschauern ablenken lässt und damit den nächsten Sprung aus seinem Sucher verliert. Sauer bin ich in solch einer Situation aber eher auf mich. Ich könnte ja auch mal ein paar Meter früher spüren, dass der Motor ins Stocken gerät und vielleicht sogar gleich ausgeht. Aber ich bin dann so im „Carl-Modus“, dass ich ganz vergesse, dass ich ja auf Paul sitze. Und bei ihm kann noch nicht alles so selbstverständlich sein, wie bei meinem erfahren Pfadfinder. Übrigens kam Paul trotz der Verweigerung an Sprung 15 fünf Sekunden unter der Zeit ins Ziel. Das empfand ich als Bestätigung seines Galoppiervermögens. So kam es, dass sich bei mir bis zur Ankunft am heimatlichen Stall ein zufriedenes Gefühl einstellte. Mit dem festen Vorsatz beim kommenden Jahresabschlussturnier in Ströhen nicht die gleichen Fehler zu machen, brachte ich Paule in den Stall.

September 2014 – Das wäre ein Hammer gewesen

In diesem Jahr bin ich bereits das dritte Mal in Folge auf der Anlage des Reiterverein Rhynern zu Gast. Ich komme gerne nach Hamm, weil ich mit diesem Turnier gute Erinnerungen verbinde. 2012 konnte ich dort meine erste CIC*-Platzierung erreiten. 2013 musste ich zwar mit gebrochenem Bein zusehen, aber meine Freundin brachte mit Castle King auf Anhieb eine Platzierung in der VA mit nach Hause. Und 2014? Tja. Das wäre wirklich ein Hammer gewesen. Mit einer 42,4 sind Paul und ich in das One-Day-Event gestartet. Umgerechnet bedeuteten das 71 Prozent für unsere dritte Einsterneaufgabe und Platz vier in einem illustren Starterfeld. Was will man mehr? Auch mit dem Nullfehler-Ritt im Springen hat es fast geklappt. Der Parcours war anspruchsvoll für meinen Youngster, ließ sich aber auf dem neu gemachten Sandplatz hervorragend reiten. Direkt als dritter Sprung kam eine Mauer. So ein Hindernis ist Paul noch nie untergekommen, aber er packte die unbekannte Hürde genauso selbstverständlich an, wie alle neuen Sachen: Mit gespitzten Ohren und fleißigem Galopp darauf zu. Nur zum letzten der elf Hindernisse bekam ich das Riesenbaby nicht mehr richtig zusammengeschoben und wir kassierten einen Hinterhandsfehler. Schade! Denn damit rutschten wir auf den siebten Rang zurück. Aber eigentlich immer noch mehr als zufriedenstellend. Hätten wir dieses Ergebnis mit ins Ziel der Geländestrecke gebracht, hätte es der dritte Platz im Gesamtklassement sein können. Aber wie heißt es so schön? Hätt` der Hund nicht geschi…, hätt` er den Hasen bekommen. Wir haben den Hasen dieses Mal laufen lassen müssen. Vor Hindernis 13 hatten Paul und ich leider ein paar Verständigungsschwierigkeiten, die durch einen unterwegs verlorenen Stollen vorne noch verstärkt wurden. Er wollte das linke Entenhaus springen, das aber für die VA ausgeflaggt war. Beim Korrigieren der Richtung ging ihm das Vorderbein etwas flöten und bis ich ihn wieder auf meiner Linie hatte, standen wir schon vor dem eigentlichen Sprung. Wenn ich Paul gelassen hätte, wäre er sogar noch aus dem Stand drüber gekrabbelt. Aber das war es mir dann doch nicht wert. Also haben wir eine Volte gedreht und sind neu angeritten. Alles kein Problem! Wir beendeten das Gelände, wie wir es ursprünglich begonnen hatten – wie an der Schnur gezogen. Natürlich habe ich mich sehr über mich geärgert, dass ich meinen Nachwuchs-Champ in dieser Situation nicht besser unterstützt habe. Aber wir lernen eben beide noch ständig dazu. Inklusive der Zeitfehler war es dann nur noch der 33. Rang. Aber das gute Gefühl am Sprung, das ich mit nach Hause genommen habe, ist sowieso unbezahlbar.

August 2014 – Zweite Reihe bitte vortreten

Vergangenes Wochenende zeigte Paul schon, dass er nicht bang ist aus dem großen Schatten der erfahrenen Pferde herauszuspringen. Wie um es zu bestätigen, lieferte er auf dem Rasenplatz von Hamminkeln wieder eine super Runde im Parcours ab. Schon über dem ersten Kreuz auf dem Abreiteplatz merkte ich, wie gut mein Nachwuchs drauf ist. Bis auf einen Flüchtigkeitsfehler an Sprung sieben, war das eine seiner besten Runden. Auf Grund seiner Größe fällt ihm das zurückrepetieren noch etwas schwer. Da müsste dann der Reiter eben mal früher etwas sehen. Trotz des Abwurfes reichte es zu einem fünften Rang. Und damit zu Pauls ersten Platzierung im L-Springen.

Doch vorgelegt hatte eine andere aus meiner jungen Garde: Hot Chilli. Sie startete bereits am Samstag mein erfolgreiches Wochenende mit einer blauen Schleife in der Dressurpferde L. Die manchmal etwas kapriziöse Stute ließ sich von mir ohne große Diskussion dazu überreden, brav ihre Runden im Viereck zu ziehen. Zwischendurch verfällt sie noch in ihre altes Verhaltensmuster. Dann wird sie stark und gibt nichts mehr von ihren schönen, schwungvollen Gangarten preis. Doch dieses Mal konnten wir die kleinen Spannungen schnell hinter uns lassen. Mit Höhepunkten in der Kurzkehrt und in der Trabarbeit, wurden wir für unsere Geduld mit ihr belohnt. Und auch Wilmi – unser Knallfrosch – belohnte unseren Glauben an ihn. Noch nie ist der jetzt zehnjährige Wallach solch eine konstante Saison gelaufen. Natürlich gibt es hier und da kleine Rückschlage, doch in Hamminkeln zeigte er zum zweiten Mal eine komplett fehlerfreie Vorstellung. Zwar bin ich die ganze Prüfung mit angezogener Handbremse geritten, aber er ist mir nicht aus dem Hemd gesprungen. Somit brachte neben Paul, auch Wilmi eine rote Schleife mit nach Hause. Einzig unsere Prinzessin hatte nach längerer Turnierpause noch nicht wieder den richtigen Drive. Drei kleinere Patzer führten dazu, dass wir um 0,1 Punkte an der Platzierung vorbei schrammten. Wie oft mir das dieses Jahr mit Mimi schon passiert ist, weiß ich gar nicht. Jedenfalls ist es jedes Mal gleich frustrierend. Obwohl sie für diese Runde im Viereck auch nicht unbedingt eine verdient hätte. Schön wäre es trotzdem gewesen, wenn ich hätte sagen können: „Vier Starts, vier Schleifen.“ So muss ich eine kleine Schönheitskorrektur vornehmen und kann dann sagen: „Drei Prüfungen, drei Schleifen.“ 🙂

August 2014 – Neue und alte Schleifensammler

Neben meinem treuen Sky, der sich in dieser Saison zu einem konstanten Schleifenpony in der schweren Klasse entwickelt hat, habe ich nun einen weiteren vierbeinigen Partner, der für vordere Platzierung im Viereck gut ist. Unser Knallfrosch Wilmi reift immer mehr zu einem Ankommer. Auch wenn jede Prüfung einen besonderen Nervenkitzel beinhaltet und ich nie weiß, was aus der Wundertüte Wilmi dieses Mal herausspringt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der hochveranlagte Fuchs neigten in den vergangenen Jahren eher dazu rückwärts aus dem Viereck zu galoppieren oder statt einer Kurzkehrt eine ganze Pirouette im Schritt zu vollführen. Doch so langsam beginnen wir zu verstehen, wie dieses wahnsinnige Genie gemanagt werden möchte. Auch wenn das schon dazu geführt hat, dass es auf dem Abreiteplatz so aussieht, als wären wir nicht da. Wir sind es! Aber Wilmis Nerven tut die kribbelige Atmosphäre mit den vielen Pferden in der Vorbereitung nicht gut. Deswegen suchen wir uns immer ein ruhiges Plätzchen. Er dankt es uns mit immer zuverlässiger werdenden Runden. So sprang nach dem dritten Rang in Ratingen auch in Neuss-Grefrath eine weiße Schleife in der M*-Dressur heraus. Das ganze Alm-Team ist so unendlich stolz auf unseren Knallfrosch.

Bis er allerdings aus Skys Schatten heraustreten kann, ist es noch ein langer Weg. Der hatte zwar in Ratingen einen kleinen Durchhänger, kam dafür aber vier Tage später in Neuss umso stärker zurück. Uns gelang als erstes Paar von 18 Startern eine solide Leistung. Ich kann immer mehr Höhepunkte herausarbeiten und die Stärken dieses tollen Pferdes zur Geltung bringen. Mit 65 Prozent bewegten wir uns genau in unserem derzeitigen Leistungsrahmen. Dass das bis zum Start von Anna-Katharina Lüttgen für den ersten Platz reichen würde, hätte ich allerdings nicht gedacht. Aber so war es! Unsere neue persönliche Bestleistung und qualifiziert für die Flutlichtkür am nächsten Abend. Okay – Kür reiten muss ich noch ein bisschen üben. Da bin ich aber ganz zuversichtlich, dass ich das in den nächsten Wochen auch noch hin bekomme. So war es dann in der Kür der neunte Platz, der auf Grund kleinerer Patzer auch völlig in Ordnung ging. Also mal wieder ein rundherum gelungener Turniereinsatz J

Juli 2014 – Vom Bademeister zum Freischwimmer

Vor acht Wochen gab mein Youngster Paul sein Debüt im 1*-Bereich. Leider endete die Geländestrecke für uns ziemlich nass. Nach diesem kleinen Stolperer, hatte ich doch leichte Bedenken, ob sich Paul wieder in die Fluten stürzen würde. Noch dazu, wo Wasser erst in der vergangenen Saison zu seinem Element werden musste. Aber wie sich herausstellte, waren meine Sorgen völlig unbegründet. Zurückgekehrt an die Stätte, wo Paul 2013 die Bundeschampionatsqualifikation gewann, zeigte mein Sechsjähriger in diesem Jahr erneut, wie pudelwohl er sich in Hünxe fühlt. Quasi als wäre es sein hauseigenes Planschbecken.

Schon in der Dressur ließ er hier und da sein großes Potential aufblitzen. Das 60er Viereck liegt ihm mit seiner großen Übersetzung viel mehr. Da fällt es auch nicht auf, wenn ich auf Grund eines Staus, gefühlt nur fünf Minuten Zeit zum Abreiten hatte. Mit ganz leichtem Handgas konnte ich das Riesenbaby durch die Aufgabe steuern. Einzig beim Halten und in der Unbeweglichkeit hatten wir kleine Unstimmigkeiten. Dafür gab es leider nur vier und fünf Punkte.  Aber ich weiß ja woran es lag. Vielmehr freue ich mich über die eine oder andere acht, die schon in Pauls Protokoll steht. Das zeigt mir: Wir sind auf dem richtigen Weg! Mit gut 48 Miesen lagen wir nach der Dressur auf einem aussichtsreichen 15. Platz.
Wie erwartet war das samstägliche Gelände anspruchsvoll gebaut. Einige Aufgaben der Strecke stellten gerade junge Pferde vor eine Herausforderung. Als ich gefragt wurde, an welchem Sprung ich mir Gedanken mache, antwortet ich Hindernis 1 bis 21. Und so war es auch wirklich. Der einzige, der mich Lügen strafte, war Paul. Mit riesen Sätzen über den ersten Sprüngen, zeigte er mir, wie viel Freude er an dieser Teildisziplin hat. Hinzu kommt, dass die Aufbauer in Hünxe den Pferden immer wieder Gelegenheit bieten, ans Galoppieren zu kommen. Für meinen riesen Schlacks nahezu ideal. So gab es mit Paul weder am ersten noch am zweiten Wasser eine Diskussion. Auch in der Sunken Road bewies mein Youngster, welche Übersicht er sich in den vergangenen Monaten angeeignet hat. Immer mehr merke ich, wie sehr sich das Training bei Bettina in Warendorf auszahlt! Nach 21 fehlerfrei überwundenen Hindernissen kamen Paul und ich auf die Sekunde genau ins Ziel. Damit gewann er die Geländeprüfung. Als sechsjähriges Greenhorn! Ich kann gar nicht beschreiben, wie stolz ich auf ihn bin.
Durch die Verfassung am nächsten Tag stolzierte er wie ein alter Gockel – frisch und kamerageil wie immer. Paul war mir fast ein bisschen zu munter. Neigt er doch in dieser Stimmung zu kleinen Streichen. Bis wir im Springen aber an der Reihe waren, hatte sich seine ausgelassene Stimmung in ruhiges Interesse am Treiben gewandelt – Gott sei Dank! Schon beim Abgehen des Parcours wusste ich, dass es für uns schwer werden würde, ohne Fehler zu bleiben. Aber mit einem Null-Fehler-Ritt hätte Paul seine erste CIC* Platzierung im zweiten Anlauf sicher gehabt. Nur, dass wir bis jetzt immer einen Flüchtigkeitsfehler mit ins Ziel gebracht haben. So war es dann auch in Hünxe. Ein ganz leichter Fehler mit der Hinterhand und die Stange rollte aus ihren Auflagen. Allerdings blieben von den 51 Starten im abschließenden Springen nur 15 Reiter ohne Fehler. Somit verloren wir nur einen Rang. Überglücklich beendete ich mit Paul die Prüfung auf dem 14. Platz und war auch noch sicher in der Platzierung. Damit hat Vicco Pop unter Beweis gestellt, dass er sich nach dem Bademeister von Everswinkel aus dem großen Schatten Carls freigeschwommen hat und nicht länger das Nesthäkchen in meiner Truppe ist.

Mai 2014 – Viel Licht und ein bisschen Schatten

Mai 2014 – Viel Licht und ein bisschen Schatten

Mein großes Premierenwochenende stand auf dem Plan. Da mir das Turnier in Everswinkel vergangenen Saison schon so super gefallen hatte, empfand ich es als den richtigen Ort, um ein doppeltes Debüt zu geben. Paul sollte dort sein erstes CIC* gehen und mit Carl wollte ich den Schritte ins CIC** wagen.

Dank der letzten Tipps von Bettina auf dem Abreiteplatz, ging ich zwei Mal mit einem guten Gefühl ins Viereck. Dementsprechend gelang uns der Start schon ganz ordentlich: Carl lief eine brave Runde. Er ging entspannt Schritt und ließ sich alle neuen Lektionen problemlos reiten. Bis auf ein kleines Missverständnis bei der Einleitung zum zweiten Travers – mein Ire wollte lieber angaloppieren – hatten wir keine Patzer. Wenn sich sein Nervenkostüm in der Dressur weiterhin so stabilisiert, dann lassen sich in den kommenden Aufgaben sicherlich auch ein paar Höhepunkte herausreiten. Bei Paul hatte mich mein Gefühl in Kamp-Lintfort nicht getrübt. Er fühlte sich auf dem großen Platz einfach viel wohler und konnte seine riesige Übersetzung auf den 60 Metern voll ausspielen. Mit einer Selbstverständlichkeit, die mir unheimlich viel Spaß macht, steuerte ich ihn durch die neue Aufgabe und wurde mit einer 44er Dressur belohnt. Platz sechs von 76 Startern. Da war ich schon ein wenig stolz auf das Riesenbaby.

Spannend wurde es am zweiten Turniertag. Das Gelände stand auf dem Plan. Anspruchsvoll, aber gerecht, mit viel Strecke zum Galoppieren. So wie es meine Jungs am liebsten haben. Vormittags machte Paul den Anfang. Inzwischen braucht er nur noch den ersten Sprung um sich voll und ganz auf die Aufgaben zu konzentrieren. Er ließ sich über jeden Baumstamm und Tisch nur so fliegen. Sprang ohne zu zögern vom hellen Feld in den dunklen Wald und wieder zurück. Bis Sprung sechs. Ohne zu zögern überwand Paul den Wassereinsprung und bekam dann keinen Boden unter die Füße. So machte ich meinen ersten Bademeister. Ich war so sauer, dass ich vor Wut auf die Wasseroberfläche gehauen habe. Paul stand mit etwas unsicherem Blick neben mir und guckte mich an, als ob er fragen wollte, was ich denn da neben ihm machen würde. Zum Glück ist nichts passiert, was sich mit einer schnellen Dusche nicht wieder beheben ließ. Aber auch Paul war so unzufrieden mit seiner Leistung, dass er den ganzen Tag völlig unausstehlich war. Das legte sich auch erst am Sonntag wieder, nachdem ich ihn zur leichten Arbeit aus der Box geholt hatte. Und mein Carl? Der bewies einmal mehr, was für ein tolles, tolles Pferd er ist. Dort wo ich seine Hilfe brauche ist er da. Dreht sich noch zwischen den roten und weißen Fähnchen hindurch oder lässt sich einfach fliegen. Er findet seine optimale Linie von ganz alleine. Ich bin nur für Rhythmus und Richtung verantwortlich. Es ist einfach ein unbeschreiblich geniales Gefühl mit diesem Iren im Cross unterwegs zu sein. Selbst als ich an Sprung 18 meinen Steigbügel verloren habe und nicht mehr den allerschönsten leichten Sitz zeigen konnte, ist Carl unverdrossen weitergaloppiert. Mit nur acht Sekunden über der Zeit, beendeten wir unseren ersten 2*-Cross. Genial!

Von Rang 15 starteten wir ins Springen. Wenn uns im Parcours nicht allzu viel passieren würde, hätte ich bei der Premiere direkt ein Schleifchen. Doch leider ist das nicht immer so planbar. Bei allerschönstem Wetter machten wir uns am Sonntag zu letzten Teilprüfung auf. In seiner typischen Art chillte Carl den ganzen Tag in seiner Box und wartete quasi nur auf seinen großen Auftritt. Wer jetzt denkt mein Pfadfinder wäre müde, irrt gewaltig. Leider war er so motiviert und im Vorwärts, dass uns auf dem hügeligen Platz drei Springfehler unterliefen. Ehrlich gesagt war ich schon enttäuscht. Denn dieses Ergebnis spiegelt überhaupt nicht wider, wie fit und engagiert Carl im Parcours unterwegs gewesen ist. Allerdings hatten meine Konkurrenten auch einige Fehler, so dass wir zum Schluss auf Rang 18 landeten. Damit war sicher, dass Carl und ich bei unserer CIC**-Premiere eine Platzierung innehatten. Was will ich mehr?!

Mai 2014 – Es hat nicht sollen sein

Leider war „knapp vorbei ist auch daneben“ das Motto meiner vergangenen drei Starts. Überall hat es „nur“ zur Reserve gereicht. Angefangen bei Paul, der in Salzkotten eine sehr schöne Runde in der Geländepferde L lief und dafür eine 7,5 erhielt. Damit waren wir siebter bei fünf platzierten. Und hatten auch noch unser ursprüngliches Ziel, eine weitere Qualifikation für das Bundeschampionat zu erreiten, nicht erreicht. Dennoch bin ich mit der Gewissheit nach Hause gefahren, dass Paul auch bei unbekannten Aufgaben nicht zögert. Hat er doch in Salzkotten zum ersten Mal in seinem Leben ein Coffin gesehen. Klar kennt mein Nachwuchssportler Gräben und Baumstämme. Aber eben nicht so.

Weiter ging es mit Flumi in der M* in Wermelskirchen. Na gut. Der Fuchs hatte auch drei dicke Fehler in der Aufgabe und eine Schleife wäre wahrscheinlich auch nicht verdient gewesen. Aber wenn es dann so knapp ist, ärgert es mich doch etwas. Am schlimmsten war für mich aber das „knapp vorbei“ mit Sky. Als zweites Paar gingen wir in der S3 an den Start und führten dann die Ergebnisliste eine ganze Weile an. Wirklich! Solch eine tolle Runde ist mein Skyo noch nie mit mir gelaufen. Er hatte richtig Spaß an der ganzen Sache und gab alles. Umso enttäuschender, dass wir dann um 1,5 Punkte nicht in der Platzierung waren. Immerhin konnte Vivien Reddig mit Cayona als Letztplatzierte die Buschi-Fahne oben halten. Dennoch wäre es einfach eine tolle Bestätigung für das komplette „Team Moers“ gewesen. Aber es hat einfach nicht sollen sein.

Drückt die Daumen, dann kann ich am kommenden Wochenende vielleicht meine Pechsträhne durchbrechen und wieder eine Schleife mit nach Hause bringen.

Mai 2014 – weiteres Saisonziel erreicht

Wie es sich anfühlt mit einem routinierten Pferd wie Sky durch eine S* zu reiten, durfte ich diese Saison schon ein paar Mal genießen. Zurzeit steigert sich der Wallach von Prüfung zu Prüfung und ich kann seine Höhepunkte in den Aufgaben immer besser ausspielen. Jede Dressur haben wir mit mindestens 65 Prozent beendet. So auch in Essen-Heidhausen auf der Reitanlage Volmer. Mit 795 Punkten fehlten uns nur zwei Punkte zu Platz zwei. Da bin ich schon ein bisschen stolz drauf.

Allerdings bin ich noch stolzer auf unsere junge Stute Di Layla. Mit ihren erst sieben Jahren haben wir in ihrem dritten Start bei einer S* ihr Saisonziel erfüllt: eine Platzierung. Und dann wurde es auch noch der Fünfte. Ebenfalls mit nur zwei Punkten Abstand zum Vierten. Ein junges Pferd wie Mimi durch solch eine anspruchsvolle Aufgabe zu pilotieren, stellt noch höhere Ansprüche an den Reiter, als es die Lektionen ohnehin schon tuen. Doch an diesem Tag lief alles zusammen und wir konnten ihr ganzes Potential zeigen. Umso größer war natürlich meine Freude.

Mit diesen beiden Platzierungen bin ich ab kommendem Jahr in der Dressur mit LK 2 unterwegs. Schon ein kleiner Wahnsinn, wenn ich überlege, dass ich 2012 meine ersten M-Dressuren geritten bin. So schnell kann es manchmal gehen.

April 2014 – Skys super St. Georg

Eigentlich war meine erste S-Platzierung ein erträumtes Saisonziel. Doch mein 13jähriges Berittpferd Sky hat mir schon so früh im Jahr diesen großen Wunsch erfüllt. Und das direkt doppelt! In unserem ersten gemeinsamen St. Georg gaben uns die Richter 65,789 Prozent.

Das reichte in einem Starterfeld mit so illustren Namen wie Heiner Schiergen oder Anabel Frenzen zum dritten Platz. Ganz ehrlich: Mir zitterten in der Siegerehrung, und auch noch danach, ganz schön die Knie.

Aber die Galopprunde mit der weißen Schleife an Skys Kandare wird mir noch ewig in Erinnerung bleiben. Da sich die 15 besten Paare für die Kür am Samstagnachmittag qualifizierten, konnte ich meinen Frack direkt ein zweites Mal auspacken. Zum Glück hatte wir einen halben Tag Zeit eine Kür zu organisieren. Mit dem Weg meiner Ausbilderin Silke Fütterer-Sommer und der passenden Musik von Manu Pasch, war ich bestens gerüstet.

Ich hatte ja nichts zu verlieren. Also nahm ich es auch locker, dass wir zu erst die fliegenden Wechsel zu drei Tempi und dann die à vier Sprünge absolvierten. Geplant war es anders herum. Ich glaube, ich habe Silke an der Bande ihren ersten Herzinfarkt beschert. Trotzdem gab es für uns noch eine Schleife, dieses Mal eine Grüne. Auch meine zweite Ehrenrunde mit dem tollen Sky genoss ich in vollen Zügen. Da spürte ich die vorangegangenen drei Ritte in der M** kaum noch in meinen Knochen.

Leider störten sich Wilmi und Mimi in dieser Prüfung etwas an den knackenden Lautsprechern. Das spiegelte sich in der fehlenden Losgelassenheit der Schritttour wider. Als positives Zeichen werte ich allerdings, dass sich die beiden trotz innerer Spannung weiterreiten ließen. Der dritte im Bunde – Flummi – zeigte seine bisher beste Runde auf einem Turnier. Tolle Traversalen und Verstärkungen im Trab, sichere sowie ausdrucksstarke Wechsel im Galopp. Leider waren sich die Richter bei dieser stimmigen Vorstellung etwas uneins. Aber das ist eben Dressurreiten. Nächste Woche geht es mit meinen Jungs wieder in den Busch, da freue ich mich jetzt schon drauf.

April 2014 – Vielseitigkeitswochenende in Kamp

Beim Reitverein Seydlitz-Kamp hatte ich nur meine beiden Jungs dabei. Paul ist in der VA an den Start gegangen und Carl lief die CIC*-Prüfung. Mein Youngster erwischte zwei gute Tage.  Schon in der Dressur vermittelte er mir ein tolles Gefühl, obwohl ich ihn in Meerbusch noch einen Ticken besser fand. Mit seiner großen Übersetzung hat Paul einfach auf dem kleinen Viereck immer etwas zu kämpfen. Aber es ist ja nur eine Frage der Zeit, bis auch er auf das Sechziger darf. Jedenfalls war den Richtern unsere Runde eine 7,5 wert. Das hat mich natürlich sehr gefreut, lagen wir damit doch aussichtsreich im ersten Drittel. Danach ging es ohne große Pause direkt weiter in den Parcours. Schon beim Abspringen zeigte mir Paul mit riesen Sätzen über die Hindernisse, wie sehr er sich auf die nächste Aufgabe freute. Leider wurde uns sein Eifer beim Aussprung aus der Kombination zum Verhängnis. Aber mit dieser Art von Fehlern kann ich gut leben. Schließlich passierte der Klotz nicht aus Unaufmerksamkeit, sondern einfach weil es hinten raus zu dicht wurde.
Beim sonntäglichen Gelände durfte Paul nochmal seine ganze Energie auspacken. So eine lange Strecke galoppierte er zum ersten Mal. Erhobenen Hauptes und frisch bis zum letzen Sprung  schnürte er über die anspruchsvolle Strecke. Ich musste während der kompletten Runde grinsen und konnte alles im leichten Sitz anreiten. Kaum ohne Fehler und in der Zeit im Ziel angekommen, konzentrierte sich unser Vielfraß direkt wieder auf das Wesentliche – Grasen. Im Gesamtklassment belegten wir den 8.Platz.

Und mein Carl? Der hatte ein etwas aufgeregtes Wochenende. In seiner Dressur war es leicht windig, was ihm sowieso nicht so sehr behagt. Dann wurden auf dem Abreiteplatz Pferde für drei parallel laufende Dressuren vorbereitet. Was Paul total spannend findet, ist für Carl nervig. So war er dann auch im Viereck drauf: Zu Beginn spielte mein Pfadfinder noch seine Stärke in der Trabtour aus. Aber die Schrittpassage, war eine Zerreisprobe für seine Geduld. Damit fielen wir leider auch im Galopp in alte Verhaltensmuster zurück. So schnell kann es eben gehen – auf dem einen Turnier erhält Carl noch sein persönliches Bestergebnis in der Dressur und auf dem nächsten bekommt er so wenige Punkte wie nie zu vor. Schade! Im Springen konnte mein Ire seine ganze Energie rauslassen. Ein leichter Fehler tübte mein gutes Gefühl nach dem Parcours nicht. Außerdem kämpften wir uns mit dieser Runde 12 Plätze nach vorne. Das wir das Feld von hinten aufrollen müssen, ist ja keine ungewohnte Situation für uns.
Im Gelände gab Carl alles. Auf dem Abreiteplatz schonte er mir seine Kräfte fast zu sehr. So gelassen lief das Aufwärmen ab. Aber als es Richtung Startbox ging, war Carl wieder ganz der Alte. Tja. Was soll ich sagen. Das Ergebnis auf der Liste sagt zwar etwas anderes, jedoch ist für mich Carl ohne Fehler durch den wirklich schwierigen Kurs in  Kamp-Lintfort gelaufen. Einzig an der Sunken Road parierte mein Wallach durch, weil er sich in Ruhe einen Überblick über die Aufgabe verschaffen musste. Viele Paare hatten hier Probleme und sind auch ausgeschieden. Carl hat sich das Ganze nur etwas länger angeschaut und ist dann beherzt zugesprungen. Für den Hindernisrichter war unser Aufenthalt an der Absprungkante mit einem Rückwärtstreten verbunden. Ich habe es zwar nicht gespührt, aber eine Verweigerung wurde uns trotzdem angerechnet. Jedenfalls galoppierten wir noch locker in die Zeit und wären ohne die 20 Strafpunkte noch als elfter platziert worden. So sind wir eben etwas geknickt nach Hause gefahren. Allerdings  mit der Gewissheit, dass meine Jungs für größere Aufgaben bereit sind.