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Tag 60 – Compliment an Fee

Heute Nacht hat mein ehemaliges Turnierpferd Frühlingsfee ihr zweites Fohlen zur Welt gebracht. Mit dem kleinen Stütchen von Capistrano dürfen wir nun die dritte Generation in unserer Familie willkommen heißen. Schon Fees Mutter war in unserem Besitz und ist steinalt geworden. Leider muss ich noch ein bisschen warten bis ich den süßen Fratz persönlich begutachten kann. Aber ein paar Fotos habe ich schon zugeschickt bekommen. Und was soll ich sagen? Die langen Beine lassen eine vielversprechende Karriere als Vielseitigkeitspferd vermuten. Was auch sonst!

Der Nachwuchs steht schon in den Startlöchern

Der Nachwuchs steht schon in den Startlöchern

Cheers,

Jörn

Tag 58 – Ausgeschlossen

Nein, ich habe keinen Mist gebaut und wurde aus meiner Gemeinschaft ausgeschlossen! Und noch haben mich die Briten auch nicht von der Insel gejagt. Ich hätte auch laufen müssen, denn ich bin nicht mehr in meinen LKW gekommen. Aufgefallen ist es mir allerdings erst abends. Da hatte ich keinen Bock mehr mich darum zu kümmern. Um eine alternative Übernachtungsmöglichkeit musste ich mich trotzdem bemühen. Das Gästezimmer ist von einer Schülerpraktikantin belegt. Also blieb nur das Wohnabteil von Bills LKW. Ohne Schlafklamotten und in einer verdammt kalten Bude, war es wirklich eine kurze Nacht. Was nicht gerade zu meiner guten Laune am nächsten Morgen beitrug. Hinzu kam, dass sich die Tür des Wohnabteils meines LKWs immer noch nicht öffnen ließ. Irgendwie war die Verriegelung von innen aktiviert. Nun ist es ja nicht so, dass es nur eine Tür gäbe, um hineinzukommen. Aber mit der mir eigenen Gründlichkeit hatte ich alle abgeschlossen und den Schlüssel im LKW liegen lassen. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Schlüsseldienst musste kommen. Überflüssig zu erwähnen, dass die fünf Groom-Girls mit Spott nicht gespart haben! So schnell wie der Schlüsselmann dachte, war die Eingangstür jedoch nicht zu knacken. Nach einer guten Weile hatte er es dann geschafft. Als Beweis, dass der LKW mit dem deutschen Kennzeichen auch mir gehört, dem einzigen auf dem Hof, der ein astreines Denglisch spricht, sollte ich meinen Schlüssel zeigen. Kein Problem – eigentlich! Nur finden konnte ich das dumme Ding nicht. Mich durchbohrten schon die Blicke des professionellen Türknacker und ich wurde immer unsicher. In der allerletzten Ecke, wo ich den Schlüssel NIE hingelegt habe, wurde ich fündig. Ende gut, alles gut. Aber auf diese Art von Nervenkitzel kann ich echt verzichten!

Cheers,

Jörn

Tag 57 – Wieder alleine

Heute Morgen ist nun auch meine Mutter abgereist. Jetzt bin ich wieder alleine in meiner englischen Wahlheimat. Damit ist der Endspurt meines Aufenthaltes hier eingeläutet. In zwei Wochen mache ich mich schon wieder auf den Weg nach Deutschland. Doch bis dahin gibt es noch ein bisschen was zu tun. Houghton Hall wirft nun endgültig seine Schatten voraus. Ich möchte alles dafür tun, damit Paul und ich bestens vorbereitet auf die lange Geländestrecke gehen können. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, noch mal ein paar Tage alleine zu sein. Ich weiß ja, dass meine Familie spätestens am Geländetag wieder bei mir ist und mich dann auf jeder erdenklichen Art unterstützen wird.

Cheers,

Jörn

Tag 56 – Ausritt mit Seltenheitswert

Nachdem ich meine Schwester Kristina schon ganz wild auf das wunderschöne Ausreitgelände hier gemacht hatte und sie mir extra deswegen einen Besuch abstattet, konnte ich meiner damit auch Mutter einen Floh ins Ohr setzen. Sie kam natürlich nicht nur wegen des Ausreitens, aber unteranderem. Da unser lieber Curt gerade mal wieder die Marsmännchenphase hat und Grashalme wachsen sieht, wollte ich meiner Mutter ihr übliches Ausreitpferd nichts so gerne unter den Hintern schieben. Wer übrig blieb war Paul. Auf ihm hat sie zwar noch nie gesessen, aber unsere Auswahl war leider begrenzt. Also rauf auf den Sieger von vor zwei Tagen und ab ins Gelände. Ich habe eine Stunde lang einen Puls von 120 und mehr gehabt. Wer will schon sehen, wie die eigene Mutter runter fällt und das derzeit beste Pferd im Stall am Horizont immer kleiner wird. Niemand! Es ist aber alles gut gegangen. Sehr gut sogar. Paul und Mutter haben Tore für uns geöffnet und geschlossen, weil Curti seinen Dienst als working equitation horse verweigerte. Nach einer guten Stunde kam ich leicht geschwitzt mit einem zufriedenen Paul, einer glücklichen Mutter sowie einem nach wie vor paranoiden Curt nach Hause. Ich würde sagen: Alles richtig gemacht.

Cheers,

Jörn

Tag 55 – Fragen ohne Ende

Ich hatte gestern Abend noch eine sehr interessante Freundschaftsanfrage auf Facebook erhalten. Eine englische Vielseitigkeitsreiterin, die aber auch für Horse & Hound arbeitet. Aus reiner Neugierde nahm ich an und siehe da Englands größte Pferdezeitung möchte ein Interview mit mir führen. Uah! Also heute um die Frühstückszeit sollte mein Telefon klingeln. Nachdem meine Girls mir sagten, dass ein Interview mit der H&H unbedingt ein must ist, habe ich 25 Mal tief durchgeatmet und mich in mein erstes Pressegespräch gestürzt. Am Telefon. Auf Englisch. Uah! Aber die halbstündige Unterhaltung verlief wirklich gut. Einzig die Nachnamen von Flora und Silke sowie von Pauls Züchterin Heike musste ich in einer Mail nochmal schicken. Mit diesen ganzen Umlauten machen wir die Briten noch fertig. Am Mittwoch wird der Artikel erscheinen. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen und kann es kaum noch erwarten. Auf jeden Fall bekomme ich ein Belegexemplar und das wird definitiv eingerahmt.

Cheers,

Jörn

Tag 54 – Bummeln in Birmingham

Eigentlich wollten Boschi und ich an meinem freien Tag einen gemeinsamen Ausflug nach London unternehmen. Unsere Mütter waren auf dem Weg nach Warwick, um sich dort das Castle anzuschauen. Aber nachdem Paul einen seiner lässigen trot ups präsentiert hatte und die beiden Jungs soweit für den Tag präpariert waren, war uns das Wetter nicht mehr wohlgesonnen. Wir entschieden uns, lieber nach Birmingham zu fahren und uns die Stadt anzugucken. Mitten im Zentrum ballen sich dort ja die Sehenswürdigkeiten, direkt entlang des Flusses gibt es eine wunderschöne Fressmeile und Shopping ist in der Millionenstadt auch kein Fremdwort. Also alles perfekt für einen dreiviertel Tag ohne unsere geliebten Vierbeiner. London wird uns nicht weglaufen und Birmingham werden wir definitiv noch einmal besuchen. Mit einem gemütlichen Abend haben wir den erholsamen Tag in Ruhe ausklingen lassen.

Cheers,

Jörn

Tag 53 – Turnier zum Fünften

Zugegebenermaßen war ich vor diesem Turnier doch etwas nervöser als sonst. Schließlich gibt man nicht alle Tage seine Premiere auf Intermediate-Level. Mit den super Resultaten aus dem Vorfeld fühlte ich mich schon gut vorbereitet, aber der innere Druck baute sich dafür umso mehr auf. Erst recht mit diesem Starterfeld im Nacken. Oliver Townend, William Fox-Pitt, Blyth Tait, Bill Levett, Lucinda Fredericks und und und. Mal ganz ehrlich: Das sind die Reiter, die man sonst nur im Fernsehen über die ganz dicken Kurse reiten sieht. Die meisten davon sind vor drei Tagen noch in Badminton unterwegs gewesen. Jetzt stehe ich mit denen auf einem Papier und muss meine Leistung bringen. Die Fokussierung auf das Wesentliche ist mir schon mal leichter gefallen. Andererseits, was sollte mir passieren? Schließlich hatte Paul Poppys Glückszöpfe drin. Als sie das vorige Mal eingeflochten hatte, gewannen wir die Prüfung. Nach einer ordentlichen Dressur – ich wollte bewusst keine Ergebnisse und Platzierungen wissen – und einem Springen mit einem Abwurf (der übliche Reiterfehler:-(), stand das Gelände auf dem Plan. Gleich bei unserer Ankunft auf dem Turnierplatz sind Bill und ich den Kurs zusammen abgegangen. Das ist inzwischen schon eine liebgewonnene Routine von uns. Ich gehe voran und mache Vorschläge für den Weg und er zeigt mir noch mehrere Alternativen das Hindernis anzureiten. Eine wirklich lehrreiche Runde ist das jedes Mal. Und dann passierte was wirklich Geniales: Mein siebenjähriger Youngster marschierte durch das Gelände von Aston Le Walls, als ob er jeden Tag dicke Tische, hohe Hecken und anspruchsvolle Hindernisabfolgen springen würde. Ich konnte Paul schon ein paar Meter später aufnehmen als in Withington und er brauchte weniger Zeit um seine Aufgabe zu erkennen. Im Ziel waren wir drei Sekunden unter der Zeit. Ich bin ihm einfach nur noch um den Hals gefallen und habe fast angefangen zu heulen, so genial war diese Runde. Die Ansage der Sprecherin „Jorn Warner picked up the lead“, habe ich gar nicht gehört. Mir war es auch egal! Nachdem ich mein Pferd fertig versorgt hatte, bin ich zur Meldestelle und traute meinen Augen nicht. Nach Lage der Ergebnisse konnten Paul und ich in unserer ersten Intermediate schlechtesten falls dritter werden. Dass Bill und Oliver jeweils mit Zeitfehlern ins Ziel kamen, ermöglichte mir die Prüfung zu gewinnen. Ich würde sagen, damit hat Poppy ihren Job als Einflechterin auf Lebenszeit bei mir sicher. Manchmal ist die Welt echt surreal.

Cheers,

Jörn

Bill und ich bei der Kursbesprechung

Bill und ich bei der Kursbesprechung

Ein letzter Blick auf den Springparcours

Ein letzter Blick auf den Springparcours

Platz zum Abreiten für die Dressur gibt es wahrlich genug

Platz zum Abreiten für die Dressur gibt es wahrlich genug

Tag 50 – Muttertag

10. Mai. Das bedeutet in Deutschland Muttertag. Da Boschis und meine Mutter zu Besuch bei mir sind, wollten wir auch etwas Besonderes mit ihnen machen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn hier wird Muttertag an einem Tag im März gefeiert. Also keine Blumensträußchen in den Läden, keine besonderen Schokolädchen. Unser Plan: wir gehen Essen. Aber anders als bei uns, gehört auch der Sonntag hier nicht zu einem typischen Essengehtag. Im ersten Restaurant gab es nur Getränke. Prinzipiell nicht schlecht, wenn einem jedoch der Magen in der Kniekehle hängt, dann ist das nicht das Richtige. Die Dame hinter dem Tresen verwies uns in die nächst größere Stadt. Also fuhren wir nach Stratford. In der Geburtsstadt Shakespeares ist man etwas mehr auf Touris eingerichtet als in den kleineren Örtchen rund um Chipping Campden. In einer urgemütlichen, alten Schenke wurden wir endlich fündig. Mit dreimal Steak und einmal fish ´n´chips haben wir ganz entspannt den Muttertag gefeiert. Ganz nebenbei habe ich auch noch etwas mehr von der Gegend in der ich seit gut sechs Wochen beheimatet bin mitbekommen. Alles in allem doch noch ein gelungener Muttertag.

Cheers,

Jörn

Tag 49 – Geländetag in Badminton

Früh ging es heute Morgen schon los. Der Ort Little Badminton ist bei den Besuchermassen ein Nadelöhr wenn es darum geht auf das Areal des Turniers zu kommen. Wir hatten jedoch Glück und sind einigermaßen gut durchgekommen. So früh sieht man natürlich noch keine Vielseitigkeitspferde. Dafür gab es aber das Grand National der Shettland Ponys. Während wir sie bei uns eher als dicklich und faul kennen, sind es hier richtige kleine Rennmaschinen. Der eine konnte es gar nicht abwarten und hat einen astreinen Frühstart hingelegt. Deswegen reichte die Kraft wohl beim eigentlichen Wettkampf nicht mehr. Er kam als vorletzter ins Ziel. Aber die meisten Sympathien hatte Nummer vier auf jeden Fall. Nachdem wir uns einen Kaffee organisiert hatten, ging es schon ans Mitsubishi-Wasser. Wir wollten uns einen guten Platz sichern, um die ersten Reiter in Ruhe zu beobachten. Sie ließen den Komplex alle samt aussehen, wie eine Gymnastikreihe. Erst im Verlauf der Prüfung wurde wirklich sichtbar, welche Herausforderung es für die Paare war. Da es vielen genauso ging wie uns, gab es einen ständigen Wechsel in der vorderen Reihe. Wie wir, wollten die meisten alles vom Kurs sehen und schlenderten von Sprung zu Sprung. Natürlich sitze ich vor dem Fernseher näher dran. Aber die Atmosphäre auf der Strecke ist durch nichts zu ersetzen. Wir drückten natürlich Bill und Bettina, die perfekter Weise direkt hintereinander an den Start gingen, die Daumen. Beide kamen ohne Hindernisfehler und nur mit ein paar Sekunden Zeitüberschreitung ins Ziel. Für Bill der zweite erfolgreiche Viersternekurs innerhalb von zwei Wochen und für Bettina ein dickes Ausrufezeichen an ihrer steil nach oben zeigenden Formkurve. Ein toller Tag, der leider viel zu schnell zu Ende ging. Aber ich bin mir ganz sicher: Ich werde wieder kommen.

Cheers,

Jörn

Der Mitsubishi-Wasserkomplex

Der Mitsubishi-Wasserkomplex

Fertigmachen für einen Tag bei den Badminton Horse Trials

Fertigmachen für einen Tag bei den Badminton Horse Trials

Tag 48 – Erste Bekanntschaft

Heute bekam ich richtig viel Besuch! Schon morgens gegen zehn Uhr trafen Petra und ihre Mutter auf Little Charingworth Stud ein. Abends gesellte sich dann noch meine Mutter dazu. Jetzt habe ich eine gute Woche Verstärkung in England. Obwohl die beiden Mütter sich wahrscheinlich einiges angucken wollen und Boschi zwischendurch hinter ihrem Laptop verschwindet. Aber mein Job geht hier ja auch ungebremst weiter. Trotzdem schafften wir es heute am späten Nachmittag uns Richtung Badminton aufzumachen. Es war meine erste Bekanntschaft mit einem Viersterne Event aus der Nähe. Dass es dann natürlich gleich das traditionsreichste der Welt ist, finde ich umso cooler. Ungehindert konnten wir die leicht hügelige Strecke abgehen und uns einen Eindruck von den anspruchsvollen Aufgaben machen, die auf Reiter und Pferd hier warten. Am ersten Wasserkomplex lief uns auch gleich eine gute Bekannte über den Weg: Bettina. Voll konzentriert und mit energischem Schritt meterte sie die verschiedenen Varianten ab. Trotzdem nahm sie sich kurz die Zeit, um uns zu begrüßen. Super zufrieden mit Hasis Ergebnis in der Dressur sprudelte es nur so aus ihr heraus.

Doch nicht nur die schwierige Strecke hat einen Besuch verdient. Auch die Einkaufsmeile ist imposant. Unweigerlich drängt sich mir der Vergleich mit Aachen auf. Schicke Damen mit Hut und elegante Herren in feinem Zwirn laufen einem hier über den Weg. Aber auch Menschen, die ein halbes Rudel an Jagdhunden mit sich führen und Schlammspritzer übersäht sind. Allerdings ist die Stimmung eine ganz andere. Die Engländer sind irgendwie entspannter. Schwer zu beschreiben. Ich freu mich jedenfalls schon auf den morgigen Tag. Da habe ich frei und wir werden uns Badminton live angucken.

Cheers,

Jörn

Badminton House - reiten vor berühmter Kulisse

Badminton House – reiten vor berühmter Kulisse

Noch von Hand geschrieben: die Ergebnissliste der Badminton Horse Trials

Noch von Hand geschrieben: die Ergebnissliste der Badminton Horse Trials

Nicht nur Turnier sondern auch Kirmes und Shoppingmeile

Nicht nur Turnier sondern auch Kirmes und Shoppingmeile