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Pauls Sterne

Paul hat ein neues Hobby: Schleifen sammeln. Vergangenes Wochenende ist Platzierung Nummer sieben hinzugekommen. Und das nur aus dieser Saison. Wo vergangenes Jahr noch der Knoten fest saß und wir unsere Leistung nicht bis ins Ziel bringen konnten, hat sich diese Saison alles zum Guten gewandelt. So auch in Holzerode. In der Dressur nähert sich Paul meinem gesteckten Ziel – eine drei vor dem Komma – mit taktsicheren Tritten. Dieses Mal waren es glatt 40 Miese und Rang drei hinter Sara Algotsson und Janet Wiesner. Ich hatte mein Pferd eigentlich zu früh fertig auf dem Abreiteplatz. Wenn die Prüfung fünf Minuten eher losgegangen wäre, hätte ich Paul noch besser präsentieren können. Aber das ist jetzt gerade wirklich meckern auf hohem Niveau. Über mein Springen kann ich sorgenlos meckern, das hatte kein Niveau. Wirklich, ich bin so eine Kaffeetour geritten, dass wir mit neun Fehlern für Zeitüberschreitung nach Hause gekommen sind. Plus unser obligatorischer Springfehler. Ich kann es einfach noch nicht abstellen. Das nervt mich wirklich gewaltig. Trotz alledem lagen Paul und ich nach den ersten beiden Abschnitten auf Platz neun. Ob ich es irgendwann mal schaffen werde, dieses außergewöhnliche Pferd so vorzustellen, dass ich ihm in jeder Teildisziplin gerecht werde? Trotz seiner Größe und des sensiblen Nervs, habe ich schon beim Ausprobieren vor drei Jahren etwas in ihm gesehen. Auch wenn ich den Sprung nur aus dem Trab anreiten durfte, weil Gas und Bremse noch nicht richtig justiert waren, konnte mich Paul auf Anhieb überzeugen. Diese Überzeugung habe ich nie verloren. Auch nicht als er sich überlegte, noch zwei bis zehn Handbreiten zu wachsen. Vor zwei Jahren gewann ich in Hünxe die Geländepferde A. Seit dem ist jedes Jahr ein Stern hinzugekommen. Vergangenes Wochenende bewies mein erwachsen gewordener Youngster im hügeligen Gelände, dass er auch das Galoppieren am Berg nicht scheut. In seinem ersten CIC** schnürte er durchs Gelände, als ob es das normalste der Welt wäre. Paul ließ alle technischen Abfragen aussehen, wie Gymnastikreihen. Frisch und munter, ohne Kratzer, brachten wir 2,8 Zeitfehler mit ins Ziel. Damit waren wir drittschnellstes Paar im Gelände. In der Endabrechnung hieß das Platz vier hinter so klangvollen Namen wie Wega, Zilia, Khira. Während die schwedische Nationalhymne angestimmt wurde, hörte Paul total aufmerksam zu und war sich bombensicher: Die Musik wird nur für mich gespielt. Eingebildeter Schlumpf. Ich werde ihm noch ein bisschen Nachhilfe in Sachen Hymnen geben, aber dann hat er für mich wirklich alles, was ein Pferd braucht um weiterhin erfolgreich die Sterne zu sammeln.

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