Dressur | Springen | Vielseitigkeit | Ausbildung für Pferd und Reiter

matthias

November 2014 – Breit aufgestellt

Regelmäßig bin ich im Dressursattel unterwegs und auch als Vielseitigkeitsreiter nehme ich an Turnieren teil. Die einzige Disziplin, die in den vergangenen Monaten ein bisschen auf der Strecke geblieben ist, war das Springen. Klar reite ich Carl und Paul auch mal zur Vorbereitung oder Korrektur durch einen Parcours. Aber mit so einem echten Springer unterwegs zu sein, ist doch noch mal etwas ganz anderes. Und jetzt habe ich wieder einen unterm Sattel. Naja zumindest, wenn er nicht gerade als Freizeitpferd mit meiner Schwester unterwegs ist. Das Leben ist nun für Curt allerdings erst mal vorbei. Denn wer auf Anhieb in seinem  ersten Springpferde M vierter wird, der kann nicht nur sein ganzes Leben chillen. Dieses kleine Kraftpaket hat eine Selbstverständlichkeit am Sprung, die keinerlei Zweifel an seiner immensen Motivation aufkommen lassen. „Da geht’s rüber“, ist stets das Motto des sechsjährigen Wallachs von Completto – Contendro x Abanos. War er in der ersten Prüfung auf Gut Volkardey  noch etwas von der Atmosphäre in der Halle eingeschüchtert, ließ sich Curt im M richtig fliegen. Ob vor oder zurück, eng oder weit – der Kleine hat sich richtig gut reiten lassen. Übrigens haben wir mit dieser Platzierung unsere lupenreine Serie fortgesetzt: erste Springpferde A – gewonnen. Erste Springpferde L – vierter. Erste Springpferde M – vierter.

Eine lupenreine Bilanz können auch Petra und Mimi aufweisen. Wie erwartet füllen die beiden zurzeit die Lücken im Erfolgsdatenkonto gut auf. Bei fünf Starts in M-Dressuren sind drei Platzierungen und eine erste Reserve herausgekommen. Dabei lieferten sie mit Rang zwei auf Gut Volkardey die bis dato beste Prüfung ab. Viele Dressurpferde hatten Probleme in der guckigen und hellhörigen Halle in Ratingen, doch Mimi schnürte ohne Zucken durch die Aufgabe. Das hätte man vor einem guten Jahr auch noch nicht von ihr erwarten können. Inzwischen hat die Siebenjährige aber eine tolle Turnierroutine und lässt sich so schnell nicht mehr erschüttern. Durch die häufigeren gemeinsamen Auftritte, erlangt auch Petra ihre gewohnte Nervenstärke im Viereck zurück und reitet unser Baden-Württembergisches Projekt so gut wie im täglichen Training.

Ich muss sagen, mit unseren guten jungen Pferden sind wir gerade in allen drei Disziplinen bestens aufgestellt. Das Jahr 2015 kann kommen.

Oktober 2014 – Bringen Hufeisen wirklich immer Glück?

Oktober 2014 – Bringen Hufeisen wirklich immer Glück?

Oktober 2014 – Bringen Hufeisen wirklich immer Glück?

Bis zum abschließenden Geländeritt in Ströhen habe ich mir wirklich nie Gedanke über die Frage gemacht, ob Hufeisen wirklich Glück bringen. Ich bin nämlich überhaupt nicht abergläubisch! Dennoch war das die bleibende Frage auf der Heimfahrt.

Aber von Anfang an: Das Dressur inzwischen Pauls Steckenpferd ist, brauche ich nicht mehr zu erwähnen. Egal, welches Gefühl ich auf dem Abreiteplatz habe, sobald wir ins Viereck kommen, gibt er einfach noch mal eine Schippe mehr für mich. Und trotzdem ist Pauls Qualität dort noch nicht ausgereizt. Ich bin mir sicher – da geht noch mehr. Für’s Erste kamen wir in Ströhen mit einer 45er Dressur aus der Aufgabe. Prädikat: zufriedenstellend!

Das Springen jedoch toppte meine Erwartungen an den Youngster. Endlich, endlich schafften wir die ersehnte Nullrunde im Parcours. Das kurzfristige Training vorm Turnier bei Bettina trug Früchte. Alles, was sie mir in Warendorf mit auf den Weg nach Ströhen gegeben hatte, konnte ich ohne Probleme umsetzen. Die Belohnung war Rang eins nach Dressur und Springen. Stellt euch mein dauergrinsendes Gesicht vor! Sicherlich, bis jetzt lieferte Paul immer gute Leistungen ab und wir waren nach den ersten beiden Teilprüfungen meistens gut platziert. Aber mit einem sechsjährigen Pferd Overnight Leader zu sein, hat mich besonders stolz gemacht. Bis hier hin würde ich übrigens auch bestätigen, dass Hufeisen Glück bringen. Zumal Paul ja auch immer gleich vier davon bei sich trägt 😉

In der Nacht fing es, wie vom Wetterdienst vorhergesagt, an zu regnen. An sich nichts Schlimmes. Doch der Boden im Tierpark Ströhen war durch die vorangegangenen Wetterkapriolen schon genügend beansprucht. Beim Abgehen der Geländestrecke war mir klar geworden, dass er nicht so viel mehr Wasser vertragen würde. Also lag ich nachts im LKW und zählte jeden Regentropfen der aufs Dach prasselte. Ich hatte eine Stunde lang ordentlich etwas zu tun. Doch wie angekündigt, hörte der Schauer pünktlich nach einer Stunde auf und ich konnte beruhigt einschlafen. Das bisschen Wasser …

Am nächsten Morgen hatte ich schon ein komisches Gefühl. Noch nie bin ich als Letzter auf die Strecke gegangen. Zu warten, bis die ganzen bekannten Namen im Ziel waren und dann noch selber an den Start zu müssen, war einfach komplettes Neuland. Sobald ich allerdings auf Pauls Rücken saß, waren alle wirren Gedanken weg. Dafür kam das gute Gefühl zurück. Wir waren voll motiviert – bis Sprung fünf. Ich hörte ein Eisen klappern. Hoffte nur, es möge bis zum Ziel halten. Das tat es auch. Jedoch nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte.

An besagtem fünftem Hindernis hatten Paul und ich auch den ersten Steher. Ein Reiterfehler, weil ich ihn mal wieder alleine gelassen hatte. Bis Sprung 20 lief es dann wie am Schnürchen. Auch wenn der Sieg schon weg war, hatten wir immerhin noch eine reelle Chance auf eine gute Platzierung. Allerdings unterlief mir am Coffin ein ähnlicher Fehler wie am Anfang des Kurses und Paul war sich nicht sicher, ob er zuspringen sollte. Er tat es nicht. Meine Enttäuschung über diesen verpatzten Ritt war immens. Zu allem Überfluss war das lose Eisen verloren gegangen. Als ich später an der Meldestelle war, um nach dem Eisen zu suchen, kamen mir schon die Leute entgegen und fragten mich nach der Gesundheit von Paul. Erst da erfuhr ich, dass mein tapferes Pferd tatsächlich an Sprung fünf seinen Schuh verloren, aber ihn bis mindestens Hindernis 20 im Schweif hatte. Eine unglaubliche Geschichte, die ich ohne einen Fotobeweis von Roland Hograebe auch nur schwer hätte glauben können. So war es Glück im Unglück, das nicht mehr als ein paar Kratzer passierten. Trotzdem fuhr ich geknickt nach Hause. Es kann schließlich nicht sein, dass ich so ein geniales Pferd nur mit Steher durch den Cross bekomme. Also? In diesem Jahr steht nicht nur Winterarbeit für meine Pferde auf dem Plan. Auch ich muss dringen konsequent an mir weiterarbeiten, damit diese Fehler 2015 nicht mehr passieren. Schließlich soll Paul sich seine verdienten Schleifen auch abholen können.

Um noch auf die anfängliche Frage, ob Hufeisen Glück bringen, zurück zu kommen – Ich glaube ja! Und beim nächsten Gelände haben wir das Glück auch wieder fest im Griff. Und sei es nur gut unter Pauls Füße genagelt.

September 2014 – Lückenfüller

Mit einer Platzierung in Dressurpferde A kam Di Layla vor einem Jahr zu uns. Zu Hause lief die damals Sechsjährige schon auf einem sicheren L-Niveau. Aber auf dem Turnier wollte es nicht so richtig klappen. Damit wir die Ausbildung der talentierten Stute weiter voran bringen konnten, gab die Besitzerin sie uns mit. Schnell lernte sie alle wichtigen Lektionen der Klasse M und in der Winterarbeit ließ sich unsere Streberin bis zur Klasse S fördern. Siebenjährige nahm ich Di Layla wieder mit aufs Turnier und konnte sie auch gut in der schweren Klasse platzieren. Da unsere Mimi leider zum Verkauf steht und in diesem Zuge eine große Schleifensammlung von Vorteil wäre, sah ihr Erfolgskonto für Interessenten etwas gewöhnungsbedürftig aus: 1×2. Drpf A und 1×5. S*.

Trotzdem haben wir nach dem erfolgreichen Ausflug in die Klasse S das Tempo etwas herausgenommen. Meine Freundin übernahm Mimi wieder und hat weiter an der Sicherheit in fremden Vierecken gearbeitet. Das zahlt sich so langsam aus. Di Layla beginnt mit großen Schritten die Lücken in ihren Sportdaten zu füllen. So platzierten sich die beiden am vergangenen Wochenende auf der Reitanlage der Familie Löckenhoff in einer M**. Für eine souveräne Runde ohne grobe Fehler gab es 64,9 Prozent und damit Rang vier. Leider konnte ich nicht dabei sein. Allerdings mangelte es Petra nicht an Unterstützern. Wie auch schon bei Mimis erster Schleife mit uns, war ihre Besitzerin mit von der Partie – ein wahrer Glücksbringer. In den kommenden Wochen darf Di Lalya ihr Erlerntes noch ein paar Mal präsentieren, bevor es endgültig in die Winterpause geht. Vielleicht sieht das Erfolgskonto für den geneigten Betrachter bis dahin „normaler“ aus.

September 2014 – Plus und Minus

Wenn ich vom Turnier nach Hause fahre, dann nehme ich meistens ein Gefühl mit. Entweder bin ich zufrieden oder eben nicht. Aber als ich mich aus Langenhagen auf den Heimweg machte, wusste ich nicht so recht, was ich von Pauls CIC* halten sollte. Auf der Minus-Seite steht ganz eindeutig sein schlechtestes Dressurergebnis mit 46,6 Strafpunkten. Hinzu kommen wieder einmal ein Springen mit einem Abwurf und eine Verweigerung im Gelände. Gesamt betrachtet machte das Rang 38 mit 70,6 Miesen. Eindeutig ein Ergebnis, das hinter den Möglichkeiten meines Youngsters ist. Immerhin wäre Platz sieben machbar gewesen. Während der dreistündigen Fahrt nach Düsseldorf, hatte ich jedoch genügend Zeit auch Punkte für die Plus-Seite unserer Vorstellung herauszuarbeiten. Für die Dressur schlägt zu Buche, dass Paul die Aufgabe zum ersten Mal unter Prüfungsbedingungen gelaufen ist und ihm nicht wirklich ein Fehler passierte. Er lief auf dem Rasenviereck einfach mit etwas angezogener Handbremse. Auch das kann ich ihm verzeihen. Lassen sich doch seine Auftritte in der Dressur auf Gras an zwei Fingern abzählen. Außerdem erinnerte ich mich an Carls Aufgaben, die im Schritt schon mal unter seinem schwachen Nervenkostüm litten. Da war ich glücklich mit einer 46er Runde aus dem Viereck zu kommen. Genauso wie in der Dressur, fand ich gute Aspekte für Pauls Springen. Hindernis zwei hätte er zwar wirklich nicht abwerfen müssen. War doch das so ungefähr der einzige Sprung, welchen ich ziemlich optimal traf. Das sich im gegenüberliegenden Zelt ein Mensch bewegte und damit Pauls Aufmerksamkeit auf sich zog, zähle ich einfach noch zur Rubrik „Erfahrung sammeln“. Natürlich ärgern mich die vier zusätzlichen Strafpunkte. Zumal mein junger Wallach kein Problem mit den Abmessungen hat. Um aber zurück zur positiven Seite meiner imaginären Liste zu kommen: Paul konnte sich trotz des Abwurfs zwei Plätze nach vorne arbeiten. Dementsprechend schwierig muss der Parcours gewesen sein. Im Gelände hatte ich vom ersten Baumstamm an ein super Gefühl. Zudem waren Sprung eins bis drei identisch mit den ersten Hindernissen aus dem CIC**. Ich konnte Paul ganz locker unter mir galoppieren lassen und muss ihn nur selten auffordern seinen Rhythmus zu halten. Ob hoch, ob weit, ob tief oder schräg – das sechsjährige Greenhorn packt einfach alles an. Umso ärgerlicher, dass er sich vom freien Feld in den Wald springend von ein paar Zuschauern ablenken lässt und damit den nächsten Sprung aus seinem Sucher verliert. Sauer bin ich in solch einer Situation aber eher auf mich. Ich könnte ja auch mal ein paar Meter früher spüren, dass der Motor ins Stocken gerät und vielleicht sogar gleich ausgeht. Aber ich bin dann so im „Carl-Modus“, dass ich ganz vergesse, dass ich ja auf Paul sitze. Und bei ihm kann noch nicht alles so selbstverständlich sein, wie bei meinem erfahren Pfadfinder. Übrigens kam Paul trotz der Verweigerung an Sprung 15 fünf Sekunden unter der Zeit ins Ziel. Das empfand ich als Bestätigung seines Galoppiervermögens. So kam es, dass sich bei mir bis zur Ankunft am heimatlichen Stall ein zufriedenes Gefühl einstellte. Mit dem festen Vorsatz beim kommenden Jahresabschlussturnier in Ströhen nicht die gleichen Fehler zu machen, brachte ich Paule in den Stall.

September 2014 – Das wäre ein Hammer gewesen

In diesem Jahr bin ich bereits das dritte Mal in Folge auf der Anlage des Reiterverein Rhynern zu Gast. Ich komme gerne nach Hamm, weil ich mit diesem Turnier gute Erinnerungen verbinde. 2012 konnte ich dort meine erste CIC*-Platzierung erreiten. 2013 musste ich zwar mit gebrochenem Bein zusehen, aber meine Freundin brachte mit Castle King auf Anhieb eine Platzierung in der VA mit nach Hause. Und 2014? Tja. Das wäre wirklich ein Hammer gewesen. Mit einer 42,4 sind Paul und ich in das One-Day-Event gestartet. Umgerechnet bedeuteten das 71 Prozent für unsere dritte Einsterneaufgabe und Platz vier in einem illustren Starterfeld. Was will man mehr? Auch mit dem Nullfehler-Ritt im Springen hat es fast geklappt. Der Parcours war anspruchsvoll für meinen Youngster, ließ sich aber auf dem neu gemachten Sandplatz hervorragend reiten. Direkt als dritter Sprung kam eine Mauer. So ein Hindernis ist Paul noch nie untergekommen, aber er packte die unbekannte Hürde genauso selbstverständlich an, wie alle neuen Sachen: Mit gespitzten Ohren und fleißigem Galopp darauf zu. Nur zum letzten der elf Hindernisse bekam ich das Riesenbaby nicht mehr richtig zusammengeschoben und wir kassierten einen Hinterhandsfehler. Schade! Denn damit rutschten wir auf den siebten Rang zurück. Aber eigentlich immer noch mehr als zufriedenstellend. Hätten wir dieses Ergebnis mit ins Ziel der Geländestrecke gebracht, hätte es der dritte Platz im Gesamtklassement sein können. Aber wie heißt es so schön? Hätt` der Hund nicht geschi…, hätt` er den Hasen bekommen. Wir haben den Hasen dieses Mal laufen lassen müssen. Vor Hindernis 13 hatten Paul und ich leider ein paar Verständigungsschwierigkeiten, die durch einen unterwegs verlorenen Stollen vorne noch verstärkt wurden. Er wollte das linke Entenhaus springen, das aber für die VA ausgeflaggt war. Beim Korrigieren der Richtung ging ihm das Vorderbein etwas flöten und bis ich ihn wieder auf meiner Linie hatte, standen wir schon vor dem eigentlichen Sprung. Wenn ich Paul gelassen hätte, wäre er sogar noch aus dem Stand drüber gekrabbelt. Aber das war es mir dann doch nicht wert. Also haben wir eine Volte gedreht und sind neu angeritten. Alles kein Problem! Wir beendeten das Gelände, wie wir es ursprünglich begonnen hatten – wie an der Schnur gezogen. Natürlich habe ich mich sehr über mich geärgert, dass ich meinen Nachwuchs-Champ in dieser Situation nicht besser unterstützt habe. Aber wir lernen eben beide noch ständig dazu. Inklusive der Zeitfehler war es dann nur noch der 33. Rang. Aber das gute Gefühl am Sprung, das ich mit nach Hause genommen habe, ist sowieso unbezahlbar.

August 2014 – Zweite Reihe bitte vortreten

Vergangenes Wochenende zeigte Paul schon, dass er nicht bang ist aus dem großen Schatten der erfahrenen Pferde herauszuspringen. Wie um es zu bestätigen, lieferte er auf dem Rasenplatz von Hamminkeln wieder eine super Runde im Parcours ab. Schon über dem ersten Kreuz auf dem Abreiteplatz merkte ich, wie gut mein Nachwuchs drauf ist. Bis auf einen Flüchtigkeitsfehler an Sprung sieben, war das eine seiner besten Runden. Auf Grund seiner Größe fällt ihm das zurückrepetieren noch etwas schwer. Da müsste dann der Reiter eben mal früher etwas sehen. Trotz des Abwurfes reichte es zu einem fünften Rang. Und damit zu Pauls ersten Platzierung im L-Springen.

Doch vorgelegt hatte eine andere aus meiner jungen Garde: Hot Chilli. Sie startete bereits am Samstag mein erfolgreiches Wochenende mit einer blauen Schleife in der Dressurpferde L. Die manchmal etwas kapriziöse Stute ließ sich von mir ohne große Diskussion dazu überreden, brav ihre Runden im Viereck zu ziehen. Zwischendurch verfällt sie noch in ihre altes Verhaltensmuster. Dann wird sie stark und gibt nichts mehr von ihren schönen, schwungvollen Gangarten preis. Doch dieses Mal konnten wir die kleinen Spannungen schnell hinter uns lassen. Mit Höhepunkten in der Kurzkehrt und in der Trabarbeit, wurden wir für unsere Geduld mit ihr belohnt. Und auch Wilmi – unser Knallfrosch – belohnte unseren Glauben an ihn. Noch nie ist der jetzt zehnjährige Wallach solch eine konstante Saison gelaufen. Natürlich gibt es hier und da kleine Rückschlage, doch in Hamminkeln zeigte er zum zweiten Mal eine komplett fehlerfreie Vorstellung. Zwar bin ich die ganze Prüfung mit angezogener Handbremse geritten, aber er ist mir nicht aus dem Hemd gesprungen. Somit brachte neben Paul, auch Wilmi eine rote Schleife mit nach Hause. Einzig unsere Prinzessin hatte nach längerer Turnierpause noch nicht wieder den richtigen Drive. Drei kleinere Patzer führten dazu, dass wir um 0,1 Punkte an der Platzierung vorbei schrammten. Wie oft mir das dieses Jahr mit Mimi schon passiert ist, weiß ich gar nicht. Jedenfalls ist es jedes Mal gleich frustrierend. Obwohl sie für diese Runde im Viereck auch nicht unbedingt eine verdient hätte. Schön wäre es trotzdem gewesen, wenn ich hätte sagen können: „Vier Starts, vier Schleifen.“ So muss ich eine kleine Schönheitskorrektur vornehmen und kann dann sagen: „Drei Prüfungen, drei Schleifen.“ 🙂

August 2014 – Neue und alte Schleifensammler

Neben meinem treuen Sky, der sich in dieser Saison zu einem konstanten Schleifenpony in der schweren Klasse entwickelt hat, habe ich nun einen weiteren vierbeinigen Partner, der für vordere Platzierung im Viereck gut ist. Unser Knallfrosch Wilmi reift immer mehr zu einem Ankommer. Auch wenn jede Prüfung einen besonderen Nervenkitzel beinhaltet und ich nie weiß, was aus der Wundertüte Wilmi dieses Mal herausspringt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der hochveranlagte Fuchs neigten in den vergangenen Jahren eher dazu rückwärts aus dem Viereck zu galoppieren oder statt einer Kurzkehrt eine ganze Pirouette im Schritt zu vollführen. Doch so langsam beginnen wir zu verstehen, wie dieses wahnsinnige Genie gemanagt werden möchte. Auch wenn das schon dazu geführt hat, dass es auf dem Abreiteplatz so aussieht, als wären wir nicht da. Wir sind es! Aber Wilmis Nerven tut die kribbelige Atmosphäre mit den vielen Pferden in der Vorbereitung nicht gut. Deswegen suchen wir uns immer ein ruhiges Plätzchen. Er dankt es uns mit immer zuverlässiger werdenden Runden. So sprang nach dem dritten Rang in Ratingen auch in Neuss-Grefrath eine weiße Schleife in der M*-Dressur heraus. Das ganze Alm-Team ist so unendlich stolz auf unseren Knallfrosch.

Bis er allerdings aus Skys Schatten heraustreten kann, ist es noch ein langer Weg. Der hatte zwar in Ratingen einen kleinen Durchhänger, kam dafür aber vier Tage später in Neuss umso stärker zurück. Uns gelang als erstes Paar von 18 Startern eine solide Leistung. Ich kann immer mehr Höhepunkte herausarbeiten und die Stärken dieses tollen Pferdes zur Geltung bringen. Mit 65 Prozent bewegten wir uns genau in unserem derzeitigen Leistungsrahmen. Dass das bis zum Start von Anna-Katharina Lüttgen für den ersten Platz reichen würde, hätte ich allerdings nicht gedacht. Aber so war es! Unsere neue persönliche Bestleistung und qualifiziert für die Flutlichtkür am nächsten Abend. Okay – Kür reiten muss ich noch ein bisschen üben. Da bin ich aber ganz zuversichtlich, dass ich das in den nächsten Wochen auch noch hin bekomme. So war es dann in der Kür der neunte Platz, der auf Grund kleinerer Patzer auch völlig in Ordnung ging. Also mal wieder ein rundherum gelungener Turniereinsatz J

Juli 2014 – Vom Bademeister zum Freischwimmer

Vor acht Wochen gab mein Youngster Paul sein Debüt im 1*-Bereich. Leider endete die Geländestrecke für uns ziemlich nass. Nach diesem kleinen Stolperer, hatte ich doch leichte Bedenken, ob sich Paul wieder in die Fluten stürzen würde. Noch dazu, wo Wasser erst in der vergangenen Saison zu seinem Element werden musste. Aber wie sich herausstellte, waren meine Sorgen völlig unbegründet. Zurückgekehrt an die Stätte, wo Paul 2013 die Bundeschampionatsqualifikation gewann, zeigte mein Sechsjähriger in diesem Jahr erneut, wie pudelwohl er sich in Hünxe fühlt. Quasi als wäre es sein hauseigenes Planschbecken.

Schon in der Dressur ließ er hier und da sein großes Potential aufblitzen. Das 60er Viereck liegt ihm mit seiner großen Übersetzung viel mehr. Da fällt es auch nicht auf, wenn ich auf Grund eines Staus, gefühlt nur fünf Minuten Zeit zum Abreiten hatte. Mit ganz leichtem Handgas konnte ich das Riesenbaby durch die Aufgabe steuern. Einzig beim Halten und in der Unbeweglichkeit hatten wir kleine Unstimmigkeiten. Dafür gab es leider nur vier und fünf Punkte.  Aber ich weiß ja woran es lag. Vielmehr freue ich mich über die eine oder andere acht, die schon in Pauls Protokoll steht. Das zeigt mir: Wir sind auf dem richtigen Weg! Mit gut 48 Miesen lagen wir nach der Dressur auf einem aussichtsreichen 15. Platz.
Wie erwartet war das samstägliche Gelände anspruchsvoll gebaut. Einige Aufgaben der Strecke stellten gerade junge Pferde vor eine Herausforderung. Als ich gefragt wurde, an welchem Sprung ich mir Gedanken mache, antwortet ich Hindernis 1 bis 21. Und so war es auch wirklich. Der einzige, der mich Lügen strafte, war Paul. Mit riesen Sätzen über den ersten Sprüngen, zeigte er mir, wie viel Freude er an dieser Teildisziplin hat. Hinzu kommt, dass die Aufbauer in Hünxe den Pferden immer wieder Gelegenheit bieten, ans Galoppieren zu kommen. Für meinen riesen Schlacks nahezu ideal. So gab es mit Paul weder am ersten noch am zweiten Wasser eine Diskussion. Auch in der Sunken Road bewies mein Youngster, welche Übersicht er sich in den vergangenen Monaten angeeignet hat. Immer mehr merke ich, wie sehr sich das Training bei Bettina in Warendorf auszahlt! Nach 21 fehlerfrei überwundenen Hindernissen kamen Paul und ich auf die Sekunde genau ins Ziel. Damit gewann er die Geländeprüfung. Als sechsjähriges Greenhorn! Ich kann gar nicht beschreiben, wie stolz ich auf ihn bin.
Durch die Verfassung am nächsten Tag stolzierte er wie ein alter Gockel – frisch und kamerageil wie immer. Paul war mir fast ein bisschen zu munter. Neigt er doch in dieser Stimmung zu kleinen Streichen. Bis wir im Springen aber an der Reihe waren, hatte sich seine ausgelassene Stimmung in ruhiges Interesse am Treiben gewandelt – Gott sei Dank! Schon beim Abgehen des Parcours wusste ich, dass es für uns schwer werden würde, ohne Fehler zu bleiben. Aber mit einem Null-Fehler-Ritt hätte Paul seine erste CIC* Platzierung im zweiten Anlauf sicher gehabt. Nur, dass wir bis jetzt immer einen Flüchtigkeitsfehler mit ins Ziel gebracht haben. So war es dann auch in Hünxe. Ein ganz leichter Fehler mit der Hinterhand und die Stange rollte aus ihren Auflagen. Allerdings blieben von den 51 Starten im abschließenden Springen nur 15 Reiter ohne Fehler. Somit verloren wir nur einen Rang. Überglücklich beendete ich mit Paul die Prüfung auf dem 14. Platz und war auch noch sicher in der Platzierung. Damit hat Vicco Pop unter Beweis gestellt, dass er sich nach dem Bademeister von Everswinkel aus dem großen Schatten Carls freigeschwommen hat und nicht länger das Nesthäkchen in meiner Truppe ist.

Mai 2014 – Viel Licht und ein bisschen Schatten

Mai 2014 – Viel Licht und ein bisschen Schatten

Mein großes Premierenwochenende stand auf dem Plan. Da mir das Turnier in Everswinkel vergangenen Saison schon so super gefallen hatte, empfand ich es als den richtigen Ort, um ein doppeltes Debüt zu geben. Paul sollte dort sein erstes CIC* gehen und mit Carl wollte ich den Schritte ins CIC** wagen.

Dank der letzten Tipps von Bettina auf dem Abreiteplatz, ging ich zwei Mal mit einem guten Gefühl ins Viereck. Dementsprechend gelang uns der Start schon ganz ordentlich: Carl lief eine brave Runde. Er ging entspannt Schritt und ließ sich alle neuen Lektionen problemlos reiten. Bis auf ein kleines Missverständnis bei der Einleitung zum zweiten Travers – mein Ire wollte lieber angaloppieren – hatten wir keine Patzer. Wenn sich sein Nervenkostüm in der Dressur weiterhin so stabilisiert, dann lassen sich in den kommenden Aufgaben sicherlich auch ein paar Höhepunkte herausreiten. Bei Paul hatte mich mein Gefühl in Kamp-Lintfort nicht getrübt. Er fühlte sich auf dem großen Platz einfach viel wohler und konnte seine riesige Übersetzung auf den 60 Metern voll ausspielen. Mit einer Selbstverständlichkeit, die mir unheimlich viel Spaß macht, steuerte ich ihn durch die neue Aufgabe und wurde mit einer 44er Dressur belohnt. Platz sechs von 76 Startern. Da war ich schon ein wenig stolz auf das Riesenbaby.

Spannend wurde es am zweiten Turniertag. Das Gelände stand auf dem Plan. Anspruchsvoll, aber gerecht, mit viel Strecke zum Galoppieren. So wie es meine Jungs am liebsten haben. Vormittags machte Paul den Anfang. Inzwischen braucht er nur noch den ersten Sprung um sich voll und ganz auf die Aufgaben zu konzentrieren. Er ließ sich über jeden Baumstamm und Tisch nur so fliegen. Sprang ohne zu zögern vom hellen Feld in den dunklen Wald und wieder zurück. Bis Sprung sechs. Ohne zu zögern überwand Paul den Wassereinsprung und bekam dann keinen Boden unter die Füße. So machte ich meinen ersten Bademeister. Ich war so sauer, dass ich vor Wut auf die Wasseroberfläche gehauen habe. Paul stand mit etwas unsicherem Blick neben mir und guckte mich an, als ob er fragen wollte, was ich denn da neben ihm machen würde. Zum Glück ist nichts passiert, was sich mit einer schnellen Dusche nicht wieder beheben ließ. Aber auch Paul war so unzufrieden mit seiner Leistung, dass er den ganzen Tag völlig unausstehlich war. Das legte sich auch erst am Sonntag wieder, nachdem ich ihn zur leichten Arbeit aus der Box geholt hatte. Und mein Carl? Der bewies einmal mehr, was für ein tolles, tolles Pferd er ist. Dort wo ich seine Hilfe brauche ist er da. Dreht sich noch zwischen den roten und weißen Fähnchen hindurch oder lässt sich einfach fliegen. Er findet seine optimale Linie von ganz alleine. Ich bin nur für Rhythmus und Richtung verantwortlich. Es ist einfach ein unbeschreiblich geniales Gefühl mit diesem Iren im Cross unterwegs zu sein. Selbst als ich an Sprung 18 meinen Steigbügel verloren habe und nicht mehr den allerschönsten leichten Sitz zeigen konnte, ist Carl unverdrossen weitergaloppiert. Mit nur acht Sekunden über der Zeit, beendeten wir unseren ersten 2*-Cross. Genial!

Von Rang 15 starteten wir ins Springen. Wenn uns im Parcours nicht allzu viel passieren würde, hätte ich bei der Premiere direkt ein Schleifchen. Doch leider ist das nicht immer so planbar. Bei allerschönstem Wetter machten wir uns am Sonntag zu letzten Teilprüfung auf. In seiner typischen Art chillte Carl den ganzen Tag in seiner Box und wartete quasi nur auf seinen großen Auftritt. Wer jetzt denkt mein Pfadfinder wäre müde, irrt gewaltig. Leider war er so motiviert und im Vorwärts, dass uns auf dem hügeligen Platz drei Springfehler unterliefen. Ehrlich gesagt war ich schon enttäuscht. Denn dieses Ergebnis spiegelt überhaupt nicht wider, wie fit und engagiert Carl im Parcours unterwegs gewesen ist. Allerdings hatten meine Konkurrenten auch einige Fehler, so dass wir zum Schluss auf Rang 18 landeten. Damit war sicher, dass Carl und ich bei unserer CIC**-Premiere eine Platzierung innehatten. Was will ich mehr?!